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Vom Reiten und was passieren kann

Ich reite seit vielen Jahren schon und mein Schecke hat mich immer brav getragen. Er hat mittlerweile immer wieder einmal Schwierigkeiten mit seinen Knochen und ist nicht mehr so munter unterwegs wie in seinen jüngeren Tagen. Dafür kann ich mich stets auf ihn verlassen. Und selbst in schwierigen Zeiten, wenn mich düstere Gedanken plagten, hat er mir immer wieder Freude gebracht.
Vor ein paar Tagen aber habe ich tatsächlich geglaubt, nun hat mein letztes Stündchen geschlagen. Ich ritt mit meiner Freundin durch den Wald. Auf einer Lichtung hielten wir an, um den Pferden etwas Zeit zum Verschnaufen zu geben. Fast unbemerkt trat ein Reh auf die Lichtung. Das Brechen eines Astes ließ die Ohren meines Schecken in die Höhe rasen. Und mit angsterfüllten Augen ging er unvermittelt in den Galopp über. Ohne auf mein Rufen zu hören, begann er durch das Unterholz zu rasen. Äste und Zweige peitschten meine Beine und meinen Oberkörper. Ich ducke mich hinter den Hals meines Schecken und hoffe darauf, dass kein größerer Ast mich trifft.
Doch dann erscheint eine Hecke vor uns. Ausweichen geht nicht, aber ich weiß auch, daß das alte Pferd an sich nicht mehr springen kann. Bremsen geht aber auch nicht mehr. Bleibt nur der Sprung – was wohl mein Pferd noch etwas früher realisiert hat wie ich. Mit einem großen Satz hechtet er über die grüne Barriere. Einen Moment bin ich schwerelos – dann lande ich unsanft im Sattel. Das habe ich noch nie gemacht, denn ich bin kein Sportreiter. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, aber mein Schecke scheint mit der Barriere zwischen sich und dem Reh zufrieden zu sein und bleibt bald stehen.
Eigentlich ist gar nicht so viel passiert. Aber einige bange Minuten lang hatte ich die Situation nicht mehr im Griff. Eine überraschende Erfahrung.