...aus Island
Isafjördur am 2. Januar 2010 (Westfjorde)
Island - die große Insel im Norden Europas, ist Heimat vieler Geschichten. Wie auch die Nachbarländer Schweden und Norwegen ist der Glaube an die Bäumen und Felsen innewohnende Zauberkraft. Feen und Zauberer beeinflussen das Leben noch immer.
Unsere Freunde aus Island, Smári und Nina, erzählen Geschichten, malen die Bilder dazu und illustrieren Bücher. Für Sie ist der reiche Sagenschatz der "Nordmänner" Quell der Inspiration.
Das Schwimmbad in Laugar
Dieses sich vom Fjordende des Hvammsfjörður nach Nordwesten erstreckende Tal ist einer der Haupthandlungsorte der Laxdæla-Saga, der Saga von den Leuten aus dem Lachswassertal. Es ist eine der ältesten (13. Jahrhundert) und komplexesten Familiengeschichten Islands und gehört in die Reihe der großen Sagen dieses Landes.
Das Schwimmbad von Laugar in Sælingsdalur wird jetzt wieder gebaut. Dort badeten einst die Hauptdarsteller der Laxdæla Saga. Der Mann im Bild, Guðjón Kristinsson, nimmt schon einmal ein (noch kaltes) Fussbad. Er ist der Steinmeister - wahrscheinlich der grösste Steinmeister Islands überhaupt.
Er hat anscheinend auch das beste Auge für die Gestalt des Gesichts. Als wir uns dort zum ersten Mal im Leben trafen, sah er mich an und sagte: "Du stammst bestimmt aus der Familie von Gíslholt". Dann sah er Nína an und meinte, sie wäre von russischen Ursprung. Un er hatte völlig Recht.
Er sagt, er wolle auch das sogenannte "Genusshaus" im gleichen Stil wieder aufbauen. Heutige Leute werden es bestimmt als Umzugskabine verwenden, aber die alten Helden habe es eher für andere Zwecke benutzt.
Die Geschichten von Gísli Súrsson
Das Bilder habe ich gezeichnet und das Layout machte Nína.
An diesem Ort der Gísla-Saga wohnte der gelb-gekleidete Mann. Im ersten Bild nimmt Eyjólfr Geld vom Feind des Saga-Held Gísli Súrsson entgegen. Er soll also diesen Gísli finden und töten. Im zweiten Bild bezahlt er seinen Spion Njósnar-Helgi im Voraus. Zwischen den Bildern ist eine Karte die die Orte der Ereignissen herstellt. Der Gísli aber war schlau und stark und es dauerte lange und kostete viel, bis seine Feinde ihn entgültig besiegten.
Aquarelle von Smari
Diese und viele mehr Aquarelle gibt es von Smari aus den Westfjorden. Er gestaltet jedes Jahr einen Monatskalender mit zwölf charakteristischen Motiven aus Island. Der Kalender hat A5-Format und kostet 1800 isl. Kronen (9,90 EUR) zuzüglich 1,50 EUR Versandkosten.
Wenn Sie Interesse daran haben, ihn zu kaufen, wenden Sie sich an mynd@snerpa.is.
Der Fluss Skrauma
Diesen schönen, klaren Fluss zeigte Smári einmal seiner Mutter.
Diese schrie sofort "Smári, geh nicht so nah!"
Später dann einmal zeigte er ihn seiner Schwiegemutter.
Die gleiche Reaktion.
Neurotische alte Weibe, dachte er.
Doch viel später hörte er dann die Geschichte zu diesem Fluß: Ein Trollfrau wohnte dort einst in der Nähe. Ihr Sohn spielte am verführerischen Flussufer. Eines Tages fiel er in den Fluß und ertrank.
Die Mutter wurde sehr wütend und legte einen bösen Zauber über den Fluss. Es sollten 20 Leute darin ertrinken.
Bis heute sind dort schon 19 Menschen darin ertrunken!
Der Platz Djúpalónssandur
In dieser kleine Bucht lebten früher einen Teil des Jahres Hunderte von Männer.
Sie waren Fischer und fuhren hinaus zu den naheliegenden Fischgründen.
Das ist eine körperlich schwierige Arbeit. Je stärker also ein Fischer war, desto ein besserer Arbeiter war er und erhielt deshalb auch eine höhere Bezahlung.
Die runden Steine hier am Strand wurden als Massstab für die Stärke genutzt.
Die Seemänner mussten, bevor sie auf einem Boot anheuert, die Steine auf kniehohe Felsen heben.
Jeder Stein hat einen eigenen Name: Der kleinste heisst Amlóði (Schwächling), dann Hálfdrættingur (Halbzieher), dann Hálfsterkur (Halbstark) und der grösste heisst Fullsterkur (Vollstark).
Der Anfang der Laxdæla-Saga
Das Schild (auch von Nína und mir) zeigt die Siedlerin, Auður djúpúðga (das bedeutet "die Weise"), als sie ihren Arbeitern, Sklaven und den Familien-Mitgliedern Länder schenkt. Es ist eine Anfangs-"Szene" aus der Laxdæla-Saga. Es sind sozusagen die Ureltern der Helden und es ist das Land, in dem die Saga stattfindet.
Dieses Schild (aus der Laxdæla-Saga) handelt von der Hauptheldin der Saga, Guðrún. Hier fragte Sie den hellsehenden Häuptling, Gestur, was ihre Täume bedeuteten. Er meinte, dass die erschienenen Gegenstände ihre zukünftige Ehemänner symbolisierten, und dass diese Männer ähnliche Schicksal finden würden, wie mit diesen Dingen geschehen (weggeworfen, ertrunken, (tot)geschlagen).
Dieses Schild zeigt: Bolli ist der dritter Mann von Guðrún. Auf diesem Schild wird gezeigt, daß er seinen früheren besten Freund und Adoptivbruder, Kjartan, getötet hat. Ein Liebes-Dreieck war der Hauptgrund dafür. Sie liebte Kjartan, aber aus einem Misverständnissen heraus dachte sie, er gehöre eine andere. Sie nahm den Zweitbesten - Bolli.
Dann kam Kjartan, zu spät, vom Ausland und stiftete eine neue Familie. Stolz, Sturheit und vielerlei Unangenemigkeiten führten dazu, dass Guðrún ihr Mann aufforderte, Ihr "Geliebten (Kjartan)" zu töten. Als Folge hatte er zuerst schlechtes Gewissen und danach ein Kopf weniger. Es war ja ein Gesellschaft mit Blutrache als Regel.
Da die Laxdæla-Saga eine Familiensaga über viele Generation hinweg ist, hat Smarí links jeweils den "Stammbaum" gemalt.
Die Geschichte vom Hügel Tungustapi
Der Hügel links ist eine Elfenkirche. Kinder spielten einstmals dort. Einer der Jungen wollte das aber nicht und versuchte erfolglos, die anderen davon abzuhalten.
Der spielfrohe Bruder des Junge sah einmal seinen komischen Bruder in den Hügel reingehen. Er spionierte hinter ihm her und entdeckte, dass sein jüngerer Bruder sich bei den Elfen konfirmieren lassen wollte.
Als der Tag kam (Silvester), stürzte er in die Elfenkirche hinein und störte die Konfirmierung. Die Brüder liefen weg. Die Elfen berieten sich über den älteren Bruder und sagten, dass er bald seinen Tot finden würde. Und als Rache für die Flucht des jüngeren Bruder würde er sterben, falls er den Elfenpriester nocheinmal beim der Predigt sehen würde. Das erzählte der ältere Bruder seinem jüngeren Bruder, eher er wie vorhergesagt an seinen Wunden starb.
Der jungere Bruder passte auf, dass er den Hügel nicht anschaute. Er wurde Priester. Er hielt Gottesdienst in der naheliegende Kirche in Tunga. Am Silvesterdienst kam ein plötzlicher Sturm auf und schlug die Kirchentür auf. Gegenüber stand auch das Tor zum Hügel auf. Dort diente der Elfenpriester. Als der Menschenpriester ihm sah, starb er sogleich.
Nach diesem Ereigniss wurde die Kirche in Tunga an einen anderen Ort gebracht, von wo man den Hügel Tungustapi nicht direkt sehen kann.
Die Geschichte vom Wasserfall und dem Eisbären
Ein Eisbär-Jäger ging diesem Wasserfall vorbei. Ausnahmsweise hatte er seinen Speer nicht dabei. Genau dann traf er einen riesigen Eisbär. Der Jäger sprang auf einen hohen, naheliegenden Felsen auf. Die Frau des Jägers sah was passierte, holte den Speer, lief zum Ort und warf dem Speer seinem Mann zu. Dann sprang er runter und tötete den Eisbär. Der Felsen trägt jetzt den Namen des Jägers, aber seine mutige Frau wird nicht erwähnt!
Die Sage von dem Öxará-Fluß
Þingvellir ist die Schlucht nordöstlich von Reikjavik, in der sich 930 die Männer Islands zum ersten "Parlament" der Welt versammelten. Seitdem ist die Schlucht Versammlungsstätte, Gericht und Hinrichtungsstätte gewesen.
Die Legende zum Öxara-Fluß, der hier 12m in die Tiefe stürzt, lautet so:
Auf dem Berg Hengil südlich des Sees Thingvallavatn wohnte in der Nähe von Nesja eine böse Riesin, Jorunn. Die Felsenschlucht dort bei Nesja heißt auch heute Jorukleif (Joru-Schlucht). Das kommt daher, daß die Riesin dort gerne auf Reisende lauerte, um sie auszurauben und zu töten.
Nach vielen erfolglosen Versuchen Joru zu töten, schickte man einen jungen Seemann nach Norwegen, um dort den König um Rat zu fragen. Der König gab dem Mann eine Axt und sagte:" Zu Pfingsten schlafen die Riesen. Schlage der Riesin zu dieser Zeit diese Axt zwischen die Schulterblätter. Joru wird in den See hinunterrollen. Die Schneide der Axt wird dann in dem Fluss angeschwemmt werden, der nach ihr benannt werden wird (Öxara, Axtfluß). Dort wird der Thingplatz der Isländer sein.
Frühling in Island?
Dies Bild wurde Anfang Juli 1993 aufgenommen. Es ist auf dem Wege nach Landmannalaugar in Islands südlichen Hochland. Es ist zwar eine von den zwei schneereichsten Stellen unterwegs und in manchen Jahren ist dort schon im Juni kein Schnee mehr. Aber im Jahr 1989 wurde die Straße erst Ende Juli geöffnet, mit einem 14 Meter tiefen Schneekanal!
So ist es eben in Island....ob Wetter, Ökonomie oder Vulkanausbrüche: man weiss nie im Voraus, wie extrem es sein wird und meistens auch nicht wann.
Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull
An Gerste denkt man nicht zuerst, wenn man an Island denkt. Doch gibt es auf diesem Hof, Þorvaldseyri, Felder mit Gerste und weiteren Getreidesorten. Dank dem Umsstand, der südlichsten Ort Islands zu sein und dem besonders milden Klima unter dem Gletscher Eyjafjallajökull ist dies möglich.
Aber gerade dank diesem Gletscher bekommen die Bäckereien in der nächsten Zunkunft keine Gerste mehr von diesem Hof.
Im "Hintergarten" herrscht nämlich ein Vulkanausbruch. Am ersten Tag ergoss sich einen Fluss von verschmolzenen Gletscher-Eis über die Felder und danach kamen eine dicke Schichten von Asche, je nach dem, wie ungünstig die Windrichtungen ist.
Während diese Wörter geschrieben werden, spuckt der Vulkan immernoch Asche über Þorvaldseyri und die europïschen Flugzeuge. Wer diese Zeilen später liest, weiss mehr als der Schreiber im Moment des Schreibens.
Island, Westfjorde, den 18. April 2010
Die Geschichte von Þorsteinn Þorleifsson
Typisch ist diese Geschichte eigentlich nicht, aber ungewöhnlich eigentlich auch nicht.
Þorsteinn Þorleifsson wohnte in einer so abgelegenen Gegend, die sogar heute immer noch sehr abegelegen liegt, trotz Strassen und Flugzeuge.
Damas wohnten nicht viele Menschen und auch heute wohnen da nur eine Handvoll Menschen. An einem solchen Ort muss man sich selbst zu helfen wissen und am besten den anderen auch.
Deshalb hat dieser Þorsteinn als erstes eine Schmiede gebaut. Da hat er alle mögliche Dinge und Werkzeuge für Landwirtschaft, Haushalt und überhaupt alles gebaut. Sogar eine Ewigkeitsmaschine hat er fast geschafft, aber die dazu nötigen Magnet-Eisen waren ihm zu teuer. Geburtszangen für Kindergeburt hat er selber erfunden und auch mehrmals benutzt, weil er eine hervorragende Hebamme war. Er war Bauer, aber seine Nachbaren haben manchmal seine Landwirtschaftarbeit gemacht, während er für sie etwas reparierte oder konstruierte. Auch Schriftsteller und Dichter war er - wie es bei Isländer üblich ist. Selbstverständlich war er auch Fischer - ein Kapitän von einem 6-Mann Rudelboot.
Auf ihm fand er das Ende seines Lebens in einem Sturm. Das war auch ein eher typisches Ende für einen Isländer.












